Flexible Arbeitszeiten

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Seit langem fordern Arbeitgeber Flexible Arbeitszeiten. Sie wollen den bedarfsorientierten Einsatz von Arbeitnehmern.

Das JIT(just in time)- Produktionssystem hat seit fast einem halben Jahrhundert immer mehr in den Fabriken Einzug genommen. Man spart dabei Lagerkosten. Und auch in anderen Wirtschaftsbereichen bemüht man sich, dieses Prinzip umzusetzen und Kosten zu sparen.

Nun ist es auch im Pflegedienst der Uniklinik so: Die Pflegedirektion wünscht sich die Einführung von Flexidiensten oder Reservediensten. Die Beschäftigten wissen nach Dienstplan nur, dass sie Dienst haben werden, wann genau, sollen sie erst kurzfristig, z.B. am Tag zuvor erfahren.

Warum wünscht die Direktion das? Weil es billiger sein soll als das, was es schon nach dem Tarifvertrag gibt.

Der Tarifvertrag bietet verschiedene Möglichkeiten, Arbeitsengpässen zu begegnen. Für Beschäftigte, die bereits im Dienst sind, besteht die Möglichkeit, sie länger als geplant durch Überstundenanordnung arbeiten zu lassen. Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, Bereitschaftsdienst (TV-L § 7 Abs.3 -es wird an weniger als 50% der Zeit Arbeit erwartet) oder Rufbereitschaft (TV-L § 7 Abs.4-es wird erwartet, dass keine Arbeit anfällt) anzuordnen. Immer ist billiges Ermessen - die Berücksichtigung der Mitarbeiterinteressen – notwendig.

Braucht man noch mehr Arbeitskräfte, muss man sie einstellen. Oder aber, man greift auf die den Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung stehende Zeit zu, die eigentlich ihre Freizeit ist!

Wieviel ist denn eine Stunde Freizeit wert? Das erste Angebot der Pflegedirektorin Frau Kraseman: 30 € für mehrere Stunden Freizeit, an denen man nichts planen kann, sondern sich für den Dienst bereithalten muss, ist beschämend.

Und was sagen andere Institutionen?

Im Rahmen der Inqa (Initiative Neue Qualität der Arbeit) empfiehlt die GAWO - Gesellschaft für Arbeits-, Wirtschafts-und Organisationspsychologische Forschung e.V.:

»Aus arbeitswissenschaftlicher Sicht kommt es bei der Gestaltung flexibler Arbeitszeiten darauf an, flexible Arbeitszeiten in tolerablen Grenzen zu halten. Negative Auswirkungen flexibler Arbeitszeiten auf die Gesundheit, psychosoziales Wohlbefinden oder das Privatleben müssen durch eine verantwortungsvolle Gestaltung vermieden werden.« Und: »Rein unternehmensbestimmte Flexibilität, die Mitarbeiter zur (kurzfristigen) Anpassung ihrer arbeitsfreien Zeit an Anforderungen des Unternehmens zwingt, ist zu vermeiden. Flexible Arbeitszeiten sollten auch den Mitarbeitern Gestaltungsspielräume eröffnen.«

Weiter heißt es:  „Wenn flexible Arbeitszeiten gegen etablierte ergonomische Grundsätze (z.B. bezüglich Dauer, Lage und Dynamik der Arbeitszeit) verstoßen (müssen), sollte als Kompensation eine Reduktion der Arbeitszeit und damit eine Ausdehnung arbeitsfreier Zeit vorgesehen werden, um den Betroffenen Möglichkeiten der Resynchronisation zu eröffnen.«

Und schließlich: »Bei der Kompensation - wie bei der Verrechnung über Kontensysteme - ist eine beanspruchungsbezogene Verrechnung zu beachten. Eine Verrechnung schlicht um schlicht (z.B. eine 10. Arbeitsstunde gegen eine 1. Arbeitsstunde, oder Arbeitszeit zu sozial nutzbarer Zeit gegen sozial nicht nutzbare arbeitsfreie Zeit) ist aus ergonomischer Sicht nicht angemessen. Eine finanzielle Kompensation ist aus ergonomischer Sicht nicht akzeptabel.«

 

http://inqa.gawo-ev.de/cms/index.php?page=empfehlungen-3#5

 

Also:

Wenn überhaupt Reservedienst, dann muss es mehr Freizeit geben!
Ein Ausfallmanagment braucht Personal und keine Konstrukte, die Freizeit klauen!