Praxisanleitung: ungerechte Ungleichbehandlung

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Im Juli staunten zwei Kollegen nicht schlecht, als sie ihre Gehaltsabrechnung bekamen. 420 Euro »Leistungszulage« waren dort aufgeführt. Was sie geleistet hatten, wussten sie nicht, aber sie vermuteten, das müsse etwas mit der Tariferhöhung zu tun haben. Einige Telefonate mit allen in Frage kommenden Stellen später erfuhren sie, dass es sich um eine Zulage der Pflegedirektorin handelt, die damit den Praxisanleitern ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen wollte. Da freuten sie sich.

Andere Praxisanleiter konnten sich nicht freuen, denn sie hatten die Zulage nicht bekommen. Warum? Das stellte sich Monate später erst heraus, nachdem der Personalrat interveniert hatte. Der PR hatte eine Liste der Praxisanleiter angefordert und schnell festgestellt, dass sie ganz und gar nicht vollständig war. Daraufhin wurden Stations- und Abteilungsleitungen von der Pflegedirektion angeschrieben, damit sie die Namen der Praxisanleiter aus ihrem Bereich melden. Einige Listen später schien die Liste der Zulage-Berechtigten dann Mitte Oktober 2019 vollständig zu sein. Zumindest waren es nun dreimal so viele Namen wie auf der ersten Liste.

Am 5.11.2019 auf dem »Praxisanleiter-Forum« wurde von einem Kollegen die Frage an die Pflegedirektorin gestellt, wann diejenigen, die bisher nichts bekommen haben, weil sie nicht auf der unvollständigen Liste standen, mit der ersten Zahlung (für Januar bis Juni 2019) rechnen könnten, da die zweite (Juli bis Dezember 2019) von ihr soeben für Januar 2020 angekündigt worden war. »Die bekommen Sie nicht mehr. Das ist vorbei.«, war die Antwort der Pflegedirektorin. Der stv. Pflegedirektor fand das zwar »schade«, wusste aber auch von »Mühseligkeiten« der Pflegedirektion zu berichten, die es sehr schwierig machten, da die Pflegedirektion kein Funktionsverzeichnis der Mitarbeiter hätte. Im SAP-Programm gebe es keine Möglichkeit, so etwas einzutragen. 

Bekannt ist allerdings seit Jahren, dass Auszubildende laut Gesetz nur noch auf solchen Stationen eingesetzt werden dürfen, auf denen es Praxisanleiter gibt. Somit dürfte es ein leichtes Unterfangen sein festzustellen, wo es Praxisanleitung gibt. Und eine einfache Nachfrage bei den Leitungen hätte für ausreichende Information sorgen können, wem man eine wertschätzende Zulage geben möchte. Gut wäre diese Recherche gewesen, bevor einige etwas bekommen und andere nicht, die das Gleiche tun, nämlich den Arbeitgeber zu befähigen, überhaupt ausbilden zu dürfen. Anstatt einer Entschuldigung für die lange Wartezeit wird nun nicht wenigstens verspätet wertgeschätzt, sondern über enttäuschte Praxisanleiter noch ein Kübel Frustration ausgeschüttet.

ver.di fordert, die Zulage für Praxisanleiter an alle zu zahlen! Rückwirkend für die Zeit von Januar bis Juni 2019 für diejenigen, die ohne irgendein Verschulden nur nicht auf einer schlampig erstellten Liste standen. Dadurch werden alle gleich behandelt und es entsteht kein Unfrieden. Bereits jetzt dürfte die ungerechte Ungleichbehandlung einen Motivationsverlust herbeigeführt haben. Dem sollte dringend entgegengewirkt werden.