Nicht mehr als 4 Nachtdienste hintereinander? Neues!

Hauptkategorie: Artikel
Zugriffe: 28746

Inzwischen gibt es in der Uniklinik RWTH Aachen eine neue Pflegedirektorin. Unter ihrer Leitung wird den Beschäftigten nun erklärt, es sei gesetzlich vorgeschrieben, dass man nicht mehr als vier Nächte hintereinander arbeiten dürfe. ver.di erklärt: Das stimmt nicht. Es gibt kein Gesetz, dass so etwas bestimmt.

Auch im Durchführungserlass zum Arbeitzeitgesetz des Landes NRW findet man nur Empfehlungen. „Diese sind im Wege der Information und Beratung ...den Anwendern nahe zu bringen.“

Offensichtlich will die Pflegedirektion in der UniklinikRWTHAachen nicht nur informieren und beraten, sondern auch empathiefrei durchsetzen. Dazu kann man ja so tun, als müsse man die Gesetze durchführen.

Das wird zu Problemen führen, an die man nicht dachte, denn weitere Empfehlungen im Durchführungserlass, die dann auch zum Gesetz würden, lauten:

- Ausgleich der Mehrbelastung durch zusätzliche Freizeit und

- Berücksichtigung individueller Arbeitszeitwünsche anstelle starrer Arbeitszeiten und

- Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen und

Kurz-vorwärts-rotierende Schichtsysteme und

die Vermeidung von Arbeitsperioden von mehr als 7 Arbeitstagen in Folge und

regelmäßig freie Wochenenden in kontinuierlichen Schichtsystemen (also kein »Holen aus dem Frei« an geplant freien Wochenenden!) und

Regelmäßigkeit in der Schichtenfolge und

rechtzeitige Information über den Schichtplan und

- einiges mehr...

Wie groß müsste die zusätzliche Freizeit für Nachtdienst denn sein?

Nach den neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen der GAWO 60 bis 80 %!!! Andere, neueste Berechnungen und Untersuchungen von Arbeitsmedizinern ergeben, dass der Ausgleich für die Belastungen der Schichtarbeit immens hoch sein müsste, nämlich 13 Stunden pro Woche. Dies hieße, eine Vollzeitstelle hätte 25 Stunden.

Bei Dauernachtwachen gibt es nach Tarifvertrag für Vollzeitbeschäftigte zur Zeit nur einen Arbeitstag frei für 150 geleistete Nachtdienststunden, maximal vier im Jahr. Das ist viel zu wenig.

Jeder, der 1, 2, 3 oder 4 Nachtdienste geleistet hat, merkt, dass er für sein Erholungsfrei gar nicht genügend Überstunden erarbeitet hat. Er muss aus seinem »normalen Frei« zuschießen. Das »Frei«, dass er für die Rhythmusumstellung und zum Abbau von Schlafdefiziten investiert, fehlt ihm schließlich für seine sozialen Kontakte, die ja durch die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes eigentlich gefördert werden sollten.

Bei Wechselschichtarbeitern gibt es zwar bis zu 6 Tage Zusatzfrei im Jahr, aber mit dem Erholungsurlaub darf die Anzahl freier Tage bei einer 5-Tage-Woche 35 freie Tage nicht übersteigen.

So investieren auch Wechselschichtarbeiter ihr »normales Frei«, um den vom Arbeitgeber zu tragenden Nachteilen des Dienstes zu ungewöhnlichen Arbeitszeiten entgegen zu wirken.

Viele Nachtwachen wollen ihr »Frei« nicht zur Erholung für schlechte Arbeitszeiten einsetzen. Sie wollen in Ihrem »Frei« was unternehmen! Deshalb arbeiten sie lieber 7 Nächte am Stück!

Wie will unsere Pflegedirektion diese arbeitwissenschaftlichen Zusammenhänge beachten? Wird Sie eine Verbesserung des Tarifvertrages fordern? Wird sie mit dem Personalrat eine Dienstvereinbarung zugunsten der Gesundheit der Mitarbeiter anstreben? Oder wird sie sagen, es gebe ja kein Gesetz?