Klinikum: Angst um Jobs grassiert weiter
Seit Monaten stehen Abteilungen auf dem Prüfstand, ein Ergebnis ist noch nicht verkündet.
Emotionale Personalversammlung.
Von Stephan Mohne
Aachen. Im Klinikum grassiert weiterhin die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes. Das wurde
bei der gestrigen – teils emotionalen – Personalversammlung einmal mehr deutlich. Völlig unklar ist,
ob und wieviele Jobs in dem 5000-Mitarbeiter-Haus dem Rotstift zum Opfer fallen. Verwaltungschef
Detlef Klimpe erklärte auf AZ-Anfrage, besagte Angst werde teils durch den Personalrat geschürt.
Bisweilen nehme dies die Ausmaße einer „Störung des Betriebsfriedens“ an. Gewerkschafter Stefan
Jungheim könnte indes auf die Palme gehen, wenn er so etwas hört: „Seit elf Monaten wird nun
schon geprüft. Ein Ergebnis haben die Menschen bis heute nicht erfahren. Da muss sich Herr Klimpe
fragen lassen, wer hier das Geschäft mit der Angst betreibt?“, ärgert sich der Verdi-Experte.
Fakt ist: Das Großkrankenhaus muss sparen. Zwar kommt man laut Klimpe 2008 plusminus null
heraus, das aber nur, weil man Verluste mit Rücklagen ausgleichen könne. 2009 sollen
„Anpassungsmaßnahmen“ greifen. Auf keinen Fall werde bei der Patientenversorgung gespart, so
Klimpe. Also werde ein Paket von 40 Maßnahmen mit Hilfe von externen Beratern geprüft. Bereits
vollzogen ist die Auflösung des hausinternen Patientenmanagements. Exemplarisch nennt Klimpe
die Analyse solcher Bereiche wie Physiotherapie und Labore. Weitere Abteilungen sind laut Verdi
zum Beispiel Küche, Wäscherei, Haustechnik, Gärtnerei. Zunächst gilt es laut Klimpe, Fehler im
eigenen Ablauf aufzudecken und Verbesserungspotenzial zu finden. Am Ende der Prüfkette ist auch
die Privatisierung von Aufgaben nicht ausgeschlossen. Ergebnisse werde es nächstes Jahr geben.
Das glaubt die Gewerkschaft nicht: „Wir glauben, dass die Ergebnisse längst da sind und man sie so
lange unter der Decke hält, bis ein neuer Verwaltungsdirektor da ist“, glaubt Jungheim. Klimpe geht
im September 2009 in Ruhestand.
Jedenfalls will sich dieser keinesfalls auf Zahlen festlegen lassen, wenn es um die Streichung von
Arbeitsplätzen geht: „Zahlen werden ständig vom Personalrat in den Raum gestellt. Davon lasse ich
mich aber nicht provozieren.“ Je nach Prüfungsergebnissen könne es „natürlich auch personelle
Konsequenzen geben“, so Klimpe. Man werde aber versuchen, so viel wie möglich im Sachmitteletat
zu sparen. Sollte es Jobabbau geben, werde man dies „so sozialverträglich wie möglich gestalten“.
Betriebsbedingte Kündigungen seien ebenfalls nicht auszuschließen, aber derzeit nicht angedacht.
Dabei betont Jungheim, dass man gegen Privatisierung gar nichts einzuwenden habe – wenn mit
„Gestellungen“ operiert wird. Das würde bedeuten, dass die Klinikumsmitarbeiter ihre Jobs sicher
haben und dann für die Privatfirmen arbeiten. „Damit könnte man den von Herrn Klimpe
beschworenen Betriebsfrieden wieder herstellen“, sagt Jungheim.
(Quelle & ©: Aachener Zeitung vom 13.11.2008)
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