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AACHEN•bg•Es war eine heikle Sache: Aus der Zeitung erfuhren die KollegInnen der Mikrobiologie und Virologie sowie des Zentrallabors, dass ihre Abteilungen privatisiert werden sollten. Was für ein Schock! Doch nach anfänglichen Ohnmachtsgefühlen gab ein spontanes Treffen mit Ulla Schmidt, der Gesundheitsministerin aus Aachen, den Startschuss für eine beispiellose Kampagne zur Rettung der 110 Arbeitsplätze.

Der Vorstand des Universitätsklinikums Aachen plante, noch in diesem Jahr große Teile des Laborbereichs auszugliedern und von externen Anbietern betreiben zu lassen. Motiv für dieses »Outsourcing« von Klinischer Chemie und Mikrobiologie war eine erwartete Ersparnis »in niedriger Millionenhöhe«, so der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende Henning Saß.

Was mit den rund 110 Mitarbeitern geschehen sollte, sei »noch völlig unklar«. Die Lehrstühle sollten erhalten bleiben. In der Medizinischen Fakultät wurde zumindest eine Abwertung der Mikrobiologie für sehr problematisch gehalten.

Da in diesem Bereich weniger massenhafte als individuelle Analysen zu machen sind und enger kommuniziert werden müsste, »suchen wir hier ein anderes Modell« als bei der der Klinischen Chemie. Wie dieses Modell aussehen könnte, werde noch diskutiert.

Da beide Institute Aufgaben in der Krankenversorgung haben, hatte die Fakultät nur begrenzt Einfluss auf deren Schicksal. »Als Wirtschaftsbetrieb ist es unsere Aufgabe, nach Bereichen zu suchen, die möglicherweise optimiert werden können«, sagte Saß. Nach unseren Informationen ging eine Machbarkeitsstudie der Firma GEBERA von einem Ein-sparpotenzial von gut drei Millionen Euro pro Jahr aus. Unglücklich war man in der Fakultät auf jeden Fall darüber, dass sich die Berufungsverhandlungen für beide Lehrstühle hinzogen und schon Kandidaten abgesprungen waren.

Die Vorhaben waren hoch riskant. Man hätte sich, befürchteten die Mediziner, von einer Firma abhängig gemacht, Forschung wäre nur noch begrenzt möglich gewesen, der jetzige Service rund um die Uhr, um Infektionsherde schnell zu ermitteln, nicht mehr gewährleistet. »Ich befürchte einen Niveauverlust für Forschung und Lehre, aber auch einen Schaden für die Krankenversorgung, wenn die Mikrobiologie nicht mehr wie jetzt 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar ist«, sagte ihr im März 2008 pensionierter ehemaliger Direktor Prof. Rudolf Lütticken. Keine andere Uniklinik in Deutschland sei auf die Idee gekommen, die Mikrobiologie auszugliedern, »und die wissen wohl, warum«.

Ihre Zukunft haben dann die rund 110 nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter, unterstützt von vielen ÄrztInnen, in die eigenen Hände genommen. Am 12. März wurden die betroffenen Beschäftigten dann endlich über die Pläne des Vorstands informiert. Man hatte sich für die härteste aller Maßnahmen entschieden, war zu hören. Die Beschäftigten sollten nach § 613a BGB übergeleitet werden. Nachdem sich die Beschäftigten nach vergeblichen Beschwichtigungsversuchen zur Wehr setzten, beschloss der Vorstand nach einer Aufsichtsratssitzung am 17. März die Aussetzung der Maßnahmen bis zur Entscheidung des Aufsichtsrates. So hatten die Kolleginnen und Kollegen ein wenig Zeit gewonnen, um den Aufsichtsrat vom Unsinn dieser Maßnahmen zu überzeugen.

Die Beschäftigten erhielten Unterstützung und viel Zuspruch von Kolleginnen und Kollegen aus Universitätskliniken, Krankenhäusern, von Belegschaften anderer Firmen, lokalen Initia-tiven und Persönlichkeiten aus der Region. Personal- und Betriebsräte, Professoren, Ärzte, Parteien und Gewerkschaften wurden aufgerufen, Stellungnahmen und Solidaritätsbekun-dungen abzugeben. Es wurde eine ungeheure Kreativität an den Tag gelegt. Die Kolleginnen und Kollegen, die größtenteils noch nie etwas mit Gewerkschaft zu tun hatten, liefen zu Höchstform auf. Briefe wurden verfasst und an die Aufsichtsratsmitglieder geschickt, Aufkleber und Buttons hergestellt, Schilder, Plakate und Transparente gemalt, Leserbriefe geschrieben.

Die ver.di-Betriebsgruppe organisierte zunächst noch zusammen mit der vdla am 16. März eine aktive Mittagspause, an der sich 500 Menschen beteiligten. Am Tag darauf mussten die Aufsichtsratsmitglieder durch ein Spalier zum Sitzungssaal. Leider hielt sich die vdla-Mehrheit im Personalrat danach vornehm zurück (man wollte lieber »die Füße stillhalten«), man hätte eine eigene Strategie. So mussten die Beschäftigten eine schon beschlossene und dann wieder abgesagte Personalversammlung mit einer Unterschriftensammlung einfordern, um ihr Recht auf Information zu bekommen.

Wöchentlich wurden Aktionskomitee-Treffen abgehalten, zwei Kolleginnen fuhren sogar nach Essen und informierten die KollegInnen in der Essener Uniklinik bei dortigen PR-Sprechstunden. Am 1. Mai ging eine Delegation der Labore bei der DGB-Demonstration mit.

Unverständnis, Verärgerung und Verwirrung, aber auch Enttäuschung entstanden durch die Haltung des PR-Vorstands, der die Auffassung vertrat, es sei nicht die Aufgabe des PR, weitere Aktionen vorzubereiten oder etwas gegen die Privatisierung zu unternehmen; man begleite lediglich die Betroffenen. So kam es dazu, dass ein weiterer Aktionsaufruf zur Mobilisierung vor der Aufsichtsratssitzung am 13. Mai nur zusammen mit der ver.di-Betriebsgruppe zustande kam. Von allen Laborbeschäftigten waren Fotos auf Plakate geklebt und mit Namen und Anzahl der Dienstjahre versehen worden. Hintereinandergelegt bildeten sie den Weg zum Sitzungssaal. Die Symbolik sprach für sich, als der kfm. Direktor Klimpe äußerst unsensibel über die Gesichter trampelte und der Vostandsvorsitzende Saß sich seitlich am Spalier vorbeidrückte.

Der Aufsichtsrat tagte bis in die späten Abendstunden, bis das Ergebnis endlich durchsickerte: Einstimmig abgelehnt! Keine Privatisierung der Labore!

Der nächste Morgen erstrahlte in neuem Licht, sogar Sektkorken sollen geknallt haben. Es ist der Wunsch der KollegInnen, auch an dieser Stelle allen solidarischen Unterstützern herzlich zu danken. Weitere ausführliche Informationen, Videos und Fotos auf der Webseite unserer Betriebsgruppe:  www.unikum-aachen.de 

 
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Lieber sucht man mit anderen Mitteln Personal, das universell eingesetzt werden kann, aber nichts extra kostet.

Immerhin sind auch dieses Jahr wieder Fachpflegebereiche zu Standard-Care-Stationen umfunktioniert worden und wieder haben rechtlich unerfahrene Krankenschwestern/Pfleger Arbeitsvertragsänderungen zugestimmt, ohne sich anwaltlich oder gewerkschaftlich beraten zu lassen. Nun können sie kurzfristig auf beliebigen Pflegestationen des Standard-Care-Bereiches (derzeit 17 Pflegestationen!) eingesetzt werden. Einarbeitung und Zusammenarbeit im Team sind dann nicht mehr so wichtig, oder ?

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