Heute, am 24.11.2009, erreichte uns folgender Brief. Anonym. Er ist als offener Brief überschrieben, daher veröffentlichen wir ihn an dieser Stelle. Der Brief verdient es, die nötige Beachtung zu finden. Wir als Gewerkschaft ver.di verstehen uns (auch) als Sprachrohr der Menschen und stellen unsere technischen Möglichkeiten zur Verfügung. Die klaren Worte in dem Schreiben wirken noch auf uns. Deshalb wollen wir sie unkommentiert lassen. Aber wir bitten dich, liebe Kollegin: Melde Dich bei uns, wenn Du noch weiter darüber sprechen willst oder wenn Du (mit uns) etwas verändern oder bewegen willst oder wenn es sonst etwas gibt... Aachen, 18.11.2009 Aus Angst vor Konsequenzen ein anonymer Kommentar zur Personalversammlung vom 17.11.2009 Offener Brief Personalversammlung oder die Bedeutungslosigkeit des PflegedienstesWir müssen uns nichts vormachen, die Situation im Pflegedienst im UK Aachen hat einen unangenehmen Tiefpunkt erreicht. Die Stimmungsuhr steht auf 5 nach 12. Nehmen Sie sich etwas Zeit, besorgen sich grüne Dienstkleidung und machen Sie einen Ausflug auf die OIM... "Ich mache das nicht mehr mit!" "Ich kündige auch!" "Nur noch 54 Tage!" "Am 1.12. bin ich weg, und Du?" "150 Überstunden!" "Immer Einspringen, Flexidienst, die können mich mal!"... Sie sehen und hören langjährige Mitarbeiter/innen, kompetent, einst hoch motiviert, jetzt ausgelaugt, frustriert, krank, überlastet, enttäuscht, gedemütigt. Aber heute ist Personalversammlung! Der Personalrat hat im Vorfeld schon ordentlich Wind gemacht! "Kommt alle! Eure Chance! Alle Verantwortlichen sind da! Stellt Eure Fragen!" Leider sind nur wenige Pflegende erschienen, die Personalsituation lässt häufig keine Pause zu, geschweige denn Zeit für eine Versammlung während der Übergabezeit. Die Stimmung der Redner ist gut. Herr Lemaire findet nette Worte der Einleitung und stellt Herrn Asché das Mitarbeiterpotenzial vor, welches es zu motivieren gilt. Die beiden präsentieren sich witzelnd, harmonisch, fast flirtend. Herr Asché gibt ein Defizit von 10 Mio. € bekannt. "Aber keine Sorge! Es gibt weder Einsparungen im Bereich der ärztlichen Versorgung noch im pflegerischen Bereich." Wie auch?!? Weniger geht nicht! Waren nicht wegen Personalmangels letztes Wochenende mindestens sieben Intensivbetten gesperrt? Ein Dauerzustand, wohlgemerkt! Fragerunde! "Wie wird mit den gehäuften Kündigungen und Versetzungsanträgen des Pflegedienstes im OIM-Bereich umgegangen?" Herr Lemaire schreitet ein und verschiebt die Frage auf einen späteren Zeitpunkt.??? 14:30 Uhr, der Bericht zur Pflegesituation im UK Aachen. Herr Semmler berichtet sachlich, nüchtern, stockend, leicht beschönigend unsere Situation, im Nebensatz fällt eine Zahl von 40.000, hierbei handelt es sich um Überstunden! Die MTA´s aus dem Zentrallabor verlassen geschlossen, lautstark die Versammlung. Hattet ihr Euch zuvor nicht für unsere Solidarität bedankt? Ja, danke auch! Mittlerweile feiert Herr Semmler die Aufstockung des Transportdienstes! Natürlich ist dieser Dienst wichtig, natürlich bringt er Entlastung, allerdings für keine Intensivstation, da dem Personal die nötige Qualifikation zum Intensivtransport fehlt. Was wir brauchen ist qualifiziertes Pflegepersonal! Versorgungskräfte und Rettungsassistenten auf Intensivstationen sind gute zusätzliche Hilfskräfte, was wir aber zusätzlich brauchen sind Fachkrankenschwestern und -pfleger. Jede Schicht ist mit einem Minimum an Pflegepersonal besetzt, Betten werden geschlossen, da ansonsten die Sicherheit der Patienten nicht gewährleistet wäre. Chefärzte öffnen sie wieder. Überlastungsanzeigen werden geschrieben, da die Pflegenden die hochverantwortungsvolle Aufgabe, nämlich die Betreuung kritisch kranker Patienten nicht gewährleisten können und es liegt nicht an mangelnder Qualifikation, sondern an mangelhaften Umständen! Nach Herrn Semmlers Vortrag gibt es eine zu Recht zornige Anmerkung bezüglich der 40.000 geleisteten Überstunden, auf welche Herr Lemaire noch zorniger reagiert... Aufgrund von Zeitmangel wird die Fragerunde beendet, bevor sie überhaupt begonnen hat. Herr von Thenen richtete noch Fragen von Mitarbeitern direkt an Herrn Pelzer, welcher nicht einmal den Blickkontakt mit dem Sprecher suchte, sondern nur starr geradeaus schaute und jegliche Art von Kommentar verweigerte. Herr Lemaire beendete nun voller Zorn die immer noch nicht begonnene Fragerunde. Ich war sprachlos, entsetzt, zornig, traurig, ja die Tränen standen mir in den Augen und ich sah, dass es meinen anwesenden, pflegenden Kollegen/innen ähnlich erging. Wir, die Pflegenden, die Basis des Krankenhauses, Leistungsträger in der Patientenversorgung versinken in der Bedeutungslosigkeit! Ich bin sehr enttäuscht! Der Personalrat unterbindet bewusst und konsequent jede nur denkbare Frage zur Situation der Pflegenden! Für mich ein klares Zeichen, dass es keine Lösungen gibt, wahrscheinlich nicht einmal Lösungsansätze und es scheint niemanden zu interessieren, Des Weiteren entpuppt sich der Personalrat als Marionette des Vorstands. Ich bin eine langjährige, hoch motivierte Mitarbeiterin des Hauses und habe es in den letzten harten Tagen immer wieder geschafft Kollegen/innen mitzureissen, habe die Hoffnung auf Besserung nicht aufgegeben, aber langsam schwindet mir die Kraft. Eine enttäuschte Kollegin
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