Artikel in den Aachener Nachrichten zum Warnstreik und Kommentar

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In der online-Ausgabe erschien dazu folgender Kommentar:

»Jedes Jahr in jeder Tarifrunde das gleiche Spiel. Die Zahl der Streikenden wird kleingeredet, aber die Auswirkungen dramatisiert. So muss auch nun wieder einmal ein Kind herhalten, das nicht operiert werden kann, obwohl es dringlich sei. Schuld sind die Streikenden von ver.di, klar. Notdienste seien vereinbart, versichert man. Natürlich sagt man lieber nicht, dass der Vorstand der Uniklinik die angebotene Notdienstvereinbarung mit ver.di nicht unterschrieben hat (die ver.di dann einseitig zum Wohl der Patienten*innen erklärte), dafür jedoch eine Vereinbarung mit dem Beamtenbund, wodurch sich jedoch keinerlei Einschränkungen durch Streikmaßnahmen ergaben. Der Beamtenbund vdla hat sich auch bisher vornehm zurückgehalten, schliesslich ist man meist mehr um das Wohl des Arbeitgebers als um das der Kolleginnen und Kollegen besorgt.

Am ersten Warnstreiktag wird verkündet, dass der Warnstreik keinerlei Auswirkungen hätte. Damit soll offenbar die Stärke ver.dis kleingeredet werden. Einen Tag später war es dann doch wieder anders, aber das konnte man angeblich nicht wissen. Doch, man wusste es, denn ver.di hat es angekündigt- vorher. Falls die Zahl der Streikenden wirklich so wichtig ist, kann man sie ganz einfach vor Ort zählen, auch als berichtendes Medium wie eine Zeitung.

Der WDR berichtete jedenfalls korrekt, dass es eine solch hohe Streikbeteiligung seit mehr als zehn Jahren nicht mehr an der Uniklinik Aachen gegeben hat.

Im Bericht stimmt auch nicht so ganz, dass bereits am Vormittag um 11 Uhr das Streikgeschehen beendet gewesen sei. Richtig ist, dass die große Mehrheit der Streikenden sich in der Kirche von St. Konrad zu einer Streikversammlung zusammengefunden hatte. Dort berichteten Kolleginnen in erschütternden Vorträgen über die Zustände auf ihren Stationen. Nicht durch zwei Streiktage, sondern durch eklatanten Personalmangel an den restlichen 362 Tagen des Jahres ist dort das Wohl und die Gesundheit der Patient*innnen gefährdet. Operationen müssen das ganze Jahr hindurch verschoben werden oder fallen aus, weil das Personal fehlt, nicht durch zwei Streiktage.
Die Sicherheit von Patienten und Personal in der Psychiatrie ist das ganze Jahr über gefährdet; nicht weil an zwei Tagen gestreikt wurde, sondern weil die Stationen ständig und dauerhaft unterbesetzt sind.
Einer Stationsleitung wurde von der Pflegedienstleitung vorgeworfen, sie komme ihrer Vorbildfunktion nicht nach, weil sie mitgestreikt hätte. Zum Glück sehen das ihre Kolleg*innen anders und bewundern gerade das Vorbild, sich für die anvertrauten Kranken und die unterstellten Kolleg*innen einzusetzen, indem sie am Warnstreik teilnahm.

Ja, und dann beriet die Versammlung bereits vorgreifend über die bevorstehende Kampagne für einen Tarifvertrag Entlastung (TV-E) nach dem Vorbild von Charité und Vivantes-Kliniken in Berlin. Die sechs Unikliniken in NRW werden diesem Beispiel folgen. Dazu werden vermutlich wie in Berlin mehrere Wochen Streik nötig werden, bevor die Arbeitgeber die Einsicht in die Notwendigkeiten bekommen.«