Pflege attraktiver machen!

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Es gibt in Deutschland zu wenig Pflegekräfte. Überall wird der Ruf laut: Man muss den Pflegeberuf aufwerten.

An der Uniklinik RWTH Aachen werden gute Pflegekräfte benötigt. Inzwischen rekrutiert man Pflegekräfte aus Rumänien und Spanien. Die müssen erst die deutsche Sprache erlernen. Eingearbeitete deutsch sprechende Pflegekräfte verlassen das Haus. Gleichzeitig setzt die Uniklinik auf Expansion. Der Bedarf wird noch größer. Das Haus schreibt keine roten Zahlen; zu viele Pflegestellen sind unbesetzt.

Was können Pflegedirektion und Vorstand tun, um dem Problem des Pflegepersonalmangels zu begegnen? Es gilt der Grundsatz:

Gute Pflege wird dort geleistet, wo sich das Pflegepersonal gut behandelt fühlt.

Tatsächlich ist festzustellen, dass sich viele Führungskräfte darum bemühen. Doch sie stoßen oft an Grenzen.

Fühlt sich eine Pflegekraft an der Uniklinik gut behandelt?

Beispiele:

1. Viele Pflegekräfte arbeiten nicht nur bei Patienten sondern auch am Computer. Diese sind in der Regel internetfähig. Da läge es doch auf der Hand, Wissensdefizite mal eben zu googeln. Doch bei vielen Pflegekräften erscheint dann auf dem Display: „Zugriff verweigert (uk_keine_Berechtigung)“ Eine Vorgesetzte kommentierte: „Das ist so gewollt. Halten Sie bitte den Dienstweg ein!“

Fühlt sich jemand, der für das Wohl und Leben von Patienten verantwortlich ist, da gut behandelt? Oder liegt da der Gedanke nahe: „So wenig bin ich denen wert!“

2. Wir kennen es von Baustellen: Wird es so warm, dass die Arbeitskräfte ins Schwitzen kommen, spendieren Chef oder Bauherr gerne eine Kasten Sprudel, damit die Arbeit nicht leidet. Und in der Uniklinik? Für Patienten gibt es Wasserspender und Mineralwasser. Für die Pflegekräfte gibt es Verkaufsstellen und Automaten, an denen sie sich ein Getränk kaufen können.

Fühlt sich eine Pflegekraft da gut behandelt? Oder liegt da der Gedanke nahe: „So wenig bin ich denen wert!“

3. Viele Pflegekräfte kommen mit ihrem PKW zur Arbeit, weil es keine besseren Möglichkeiten gibt. Seit dem Bau des UKA auf der grünen Wiese konnten sie kostenfrei parken. Nun müssen sie eine Parkgebühr bezahlen.

Fühlen sich diese Pflegekräfte da gut behandelt? Oder liegt da der Gedanke nahe: „So wenig sind wir denen wert!“

4. Wegen der geringen Personaldichte müssen immer mehr Pflegekräfte statt auf ihrem gewohnten Bereich auf einer anderen Station einspringen. Für Stammpersonal gibt es Zulagen für Intensivpflege, Onkologiepflege, Infektionspflege, Transplantationspflege, Psychiatriepflege. Für Einspringer gibt es nichts.

Fühlen sich einspringende Pflegekräfte da gut behandelt? Oder liegt da der Gedanke nahe: „So wenig bin ich denen wert!“

5. Pflegekräfte müssen sich zur Sicherheit immer wieder medizinisch beim Hochschularzt untersuchen lassen. Viele machen das in ihrer Freizeit, weil es sonst Terminschwierigkeiten gibt. „Dafür gibt es keinen Freizeitausgleich“ meint die Verwaltung.

Fühlen sich Pflegekräfte da gut behandelt? Oder liegt da der Gedanke nahe: „So wenig sind wir denen wert!“

6. Viele Pflegekräfte schieben einen Berg von Überstunden vor sich her. Der direkte Vorgesetzte sieht keine Möglichkeit, diese in Frei auszugleichen. Ein Arbeitszeitkonto nach §10 des Tarifvertrages gibt es aber auch nicht.

Fühlen sich Pflegekräfte da gut behandelt? Oder liegt da der Gedanke nahe: „So wenig sind wir denen wert!“

7. Viele Pflegekräfte haben schon eine Überlastungsanzeige geschrieben, wenn die Arbeit so viel wurde, dass sie die sichere Versorgung von Patienten gefährdet sahen. Ändern tut sich danach wenig.

Fühlen sich Pflegekräfte da gut behandelt und ernst genommen? Oder liegt da der Gedanke nahe: „So wenig sind wir denen wert!“

Die Liste könnte weiter fortgeführt werden.

In den meisten Fällen stellt sich heraus, dass den Führungskräften durch sich selbst die Hände gebunden sind. Die Uniklinik RWTHAachen ist dem Arbeitgeberverband AdL-NRW und dieser dem Arbeitgeberverband TdL beigetreten. Beide Verbände verlangen in ihren Satzungen: „Die Mitglieder sind verpflichtet, übertarifliche Maßnahmen nur mit Ermächtigung der Mitgliederversammlung zu beschließen und durchzuführen.“ So wachen denn die Bürokraten genauestens darüber, ob einer seinen Mitarbeitern mehr anbietet als der andere – zum Leid eines ganzen Berufstandes! (http://www.tdl-online.de/satzung.html) (http://www.adl.nrw.de/der-verband)

Auch gilt: „Die Mitglieder sind verpflichtet, ... sonstige Vereinbarungen...nur mit Zustimmung (Ermächtigung) der Mitgliederversammlung zu schließen.“ So gibt es denn in der Uniklinik RWTHAachen nur eine einzige Dienstvereinbarung (zu gleitender Arbeitszeit der Verwaltung).

Fazit: Bürokratische Ordnung ist den Verantwortlichen wichtiger als gute Pflege!